Weshalb gibt es trainingsglueck.de?

20130907 Jana mit Viento wälzen 01BWIn erster Linie ist dieser Blog ein ganz ego­is­tis­ches Pro­jekt: Mir hilft es unge­mein, meine Über­legun­gen und Grü­beleien zu Papier zu brin­gen um für mich selbst ein klares Bild zu bekom­men. Außer­dem kann ich mir alles, was ich mal aufgeschrieben habe, besser merken. Also krit­zle ich immer wieder irgendwelche Ein­fälle und Infor­ma­tio­nen auf ein Blatt Papier, weil es ein­fach schade wäre, das direkt wieder zu vergessen. Meist lan­den diese Zettel allerd­ings früher oder später im Alt­pa­pier. Weil ich sie eh nicht mehr lesen kann oder einen Aufräum­rap­pel bekom­men habe und alles ver­nichte, was sich nicht auf den ersten Blick als wichtig outet. Im besten Fall hefte ich sie in irgendwelche Ord­ner. Irgend­wann fand ich, dass das eigentlich schade ist, denn mit ein biss­chen Mehraufwand wür­den aus diesen hinge­wor­fe­nen Ideen und Erkenntnis-Fetzen Texte, die mir und vielle­icht auch anderen weit­er­helfen kön­nten. Damit ist der Blog auch gar nicht mehr ganz so eigen­nützig. Jeden­falls nicht auss­chließlich. Das gefällt mir richtig gut.

Ich hoffe also, dass das, was mich am Tier­train­ing so fasziniert – näm­lich die Vielschichtigkeit und die schier unbe­gren­zten Möglichkeiten etwas Neues zu ler­nen – auch für andere inter­es­sant ist. Je mehr ich mich damit beschäftige, wie man Tieren auf fre­undliche Art etwas beib­ringt (oder abtrainiert), desto mehr Türen öff­nen sich. Das ist faszinierend, wenn auch nicht immer leicht zu fassen und zu verarbeiten.

Zum Click­er­train­ing und allem was danach fol­gte, kam ich über ein Buch der amerikanis­chen Pfer­de­trainerin Alexan­dra Kur­land. Ich las es, fuhr zu meinem Pferd, pro­bierte es aus – und es klappte. Das war neu für mich, hatte ich doch ein Pferd, bei dem die Anleitun­gen in nor­malen Pfer­de­train­ings­büch­ern regelmäßig nicht umset­zbar waren. Da standen dann Beschrei­bun­gen und Tipps wie „Will Ihr Pferd Sie abdrän­gen, hal­ten Sie die Gerte vor seine Brust und ermah­nen Sie es.“ Klingt erst­mal logisch. Lei­der stand da nie, was mein Pferd als Antwort liefern würde, wenn ich diese Tipps umset­zte. Mein geliebtes 500-Kilo-Pferd gab daraufhin näm­lich gerne mal erst recht Gas, attack­ierte mich mit den Zäh­nen oder ignori­erte mich.

Beim Click­er­train­ing war das von Anfang an anders. Ich übte also die ersten Basics und kon­di­tion­ierte mein Pferd. Super, man musste fast nichts wis­sen und es klappte trotz­dem! Anfrage ans Pferd, Click, Beloh­nung. Das ging eine Weile ganz prima so, wir machten gute Fortschritte, ich brauchte immer weniger Druck, um meinem Wal­lach klarzu­machen, was ich mir von ihm wün­schte. Beim Beißen und anderen aggres­siven Ver­hal­tensweisen wurde es dann aber doch schwieriger. Mir wurde klar, was der Spruch „click­er­train­ing is sim­ple – but not easy“ („Click­er­train­ing ist ein­fach – aber nicht leicht“) zu bedeuten hat.

Will man sein Tier kon­se­quent über pos­i­tive Ver­stärkung aus­bilden und kün­ftig auf schla­gen, schub­sen, ermah­nen, am Hals­band rucken etc. verzichten, braucht man einen gut sortierten Werkzeugkas­ten. Und dann wird es plöt­zlich span­nend. Man beginnt, sich damit auseinan­derzuset­zen, wie man mit kleinen und großen Fehlern umgeht. Vorher habe ich eben ein­fach kor­rigiert und weiter geht’s — nun über­legte ich mir, ob man den Fehler nicht mit­be­lohnt, wenn man das Tier den Fehler machen lässt, es kor­rigiert und dann lobt. So kommt man schnell zum Thema Man­age­ment und stellt sich auf ein­mal die Frage, was ein Tier wirk­lich kön­nen MUSS. Weshalb habe ich es über­haupt angeschafft und welche Art von Beziehung möchte ich zu meinem vier­beini­gen (oder gefiederten) Begleiter auf­bauen.
Click­er­train­ing ist mehr als eine Train­ing­stech­nik. Der kleine Knack­frosch ist heute für mich ein Sym­bol für eine ganz neue Kom­mu­nika­tion­sebene zwis­chen Men­sch und Tier.

Für mein Pferd, das einst ein Parade­beispiel für ein Prob­lempferd war, war meine dama­lige Entschei­dung, mich vom Horse­man­ship abzuwen­den und mich auf einen (wie ich damals natür­lich noch nicht ahnte) lan­gen Weg zu einem besseren Miteinan­der zu machen, mit Sicher­heit ein Glücks­fall. Auch heute ist noch nicht alles per­fekt, wir haben noch genug „Baustellen“ für ein ganzes Pfer­deleben, aber was wir jetzt schon haben ist Spaß und viele tolle Momente zusammen.

Wenn ich auch nur einem Leser an der ein oder anderen Stelle einen Impuls geben kann, dann würde mich das sehr glück­lich machen. Denn, was gäbe es schöneres, als wenn sich faires Tier­train­ing mit ganz viel Spaß auf bei­den Seiten immer weiter ver­bre­iten würde?

Also: feel happy, baby!

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