Wer ein zuver­läs­siges Pferd möchte, muss zuver­läs­sig sein.

Von ein­er erfol­gre­ichen (Horsemanship-)Trainerin habe ich mal den Satz gehört „Wenn ich dem Pferd etwas ver­spreche, dann halte ich das.“ Das hieß in ihrem Fall zwar, dass sie auch ihr Ver­sprechen auf unan­genehme Kon­se­quen­zen wahr machte. Es hieß aber eben­falls, dass sie den Druck SOFORT weg­nahm, wenn das Pferd machte, was sie wollte. 

Was sie damit bekam, waren sehr ver­lässlich arbei­t­ende Pferde, die dabei rel­a­tiv entspan­nt waren. Woran liegt das? Ich denke, u.a. daran:

  • Ihre Pferde wussten sehr genau, was gefordert war. 
  • Sie wussten auch, was ihnen „blüht“, wenn sie es nicht tun. 
  • Die ihnen gestell­ten Auf­gaben waren dabei immer gut für sie lösbar.

 

Lass uns mal check­en, was wir daraus für die Arbeit mit pos­i­tiv­er Ver­stärkung mit­nehmen kön­nen. Was also ist das Erfol­gs­ge­heim­nis für ein zuver­läs­sig arbei­t­en­des Pferd? Hier mal drei Punk­te: 

Klar mess­bare Kri­te­rien für unseren aktuellen Trainingsschritt

Sagen wir mal, mein Ziel ist es, dass mein Pferd entspan­nt selb­st­ständig eine Runde um mich herum tra­bt. Klingt erst­mal klar for­muliert, doch bei genauer­er Betra­ch­tung stellen sich zumin­d­est mal die Fra­gen, wie „entspan­nt“ ausse­hen soll und was wir unter ein­er „Runde“ ver­ste­hen. Für den einen ist das eine per­fek­te Volte im Durchmess­er von zehn Metern, der andere akzep­tiert auch eine eher eier­för­mige, sich von Durch­gang zu Durch­gang verän­dernde Fig­ur. Und auch für Entspan­nung wer­den sich viele Def­i­n­i­tio­nen find­en. Es geht dabei übri­gens über­haupt nicht um die Bew­er­tung der Kri­te­rien, wichtig ist, dass du ganz genau weißt, wie es am Ende ausse­hen soll und wie du dor­thin kommst.

Und ja: Das ist zum Teil ganz schön schwierig. Und ich fürchte, es gelingt auch nicht immer zu 100 Prozent.

Trotz­dem ist es enorm wichtig, klar zu wis­sen, was wir im jew­eili­gen Train­ingss­chritt von unserem Pferd erwarten. 

Bleiben wir nochmal beim Beispiel von oben: Gehen wir mal davon aus, dass wir ein Pferd haben, das bere­its auf Sig­nal antra­bt und einige Minuten tra­bt ohne dass wir treiben müssten. Dann kön­nten wir uns dem Kri­teri­um „per­fek­te 10m-Volte“ wid­men. Eine Vari­ante wäre, mit Hil­f­s­mit­teln wie Gassen oder Pylo­nen zu trainieren. So kön­nten wir es dem Pferd deut­lich erschw­eren, eine größere oder kleinere Volte zu gehen. Die Gassen oder Pylo­nen kön­nten wir nach und nach reduzieren. Das Kri­teri­um wäre dann im ersten Schritt: „Pferd geht im Trab eine Runde um mich herum inner­halb der Gassen/Pylonen“. Klappt das, dann ver­stärken wir das indem wir click­en und füt­tern. Klappt es nicht, belohnen wir nicht. Im näch­sten Schritt kön­nten wir dann eine Gasse/Pylone ent­fer­nen und wieder prüfen, ob unser Pferd noch um uns herum tra­bt oder ob es die so ent­standene Lücke nutzt und uns besuchen kommt. Klappt es, gibt es eine Beloh­nung. Klappt es nicht, führen wir unser Pferd kom­men­tar­los wieder zurück in die Gasse und ver­suchen es erneut. (Klappt es dann wieder nicht, dann soll­ten wir einen Schritt zurück gehen — klappt es auch weit­er­hin nicht, dann soll­ten wir unseren Train­ings­plan verändern).

Zusam­menge­fasst kann man sagen, dass es ein­fach­er wird klar mess­bare Kri­te­rien zu definieren, je klein­er wir unsere Train­ingss­chritte machen. Da lohnt es sich wirk­lich, nochmal eine Denkrunde einzule­gen, statt ein­fach wild drau­f­los zu trainieren.

 

Sich an die Kri­te­rien halten

D.h. dass wir es auch nur dann belohnen, wenn es das Kri­teri­um erfüllt hat. Klingt sehr sim­pel, ist es aber in der Prax­is oft nicht. Oder hat­test du es noch nie, dass dein Pferd zwar ein anderes Ver­hal­ten als gewün­scht gezeigt hat, „es sich aber doch solche Mühe gegeben hat“ und du es trotz­dem belohnt hast? Das ist total ver­ständlich, hil­ft deinem Pferd aber nicht wirk­lich. Denn wenn du z.B. möcht­est, dass es selb­st­ständig den Kopf ins Halfter steckt, wenn du es vor seine Nase hältst und es stattdessen rein­beißt, weil ihr kurz vorher Apportieren geübt habt, dann ist soll­test du das bess­er nicht belohnen. Dein Pferd zeigt zwar Engage­ment und bemüht sich sichtlich, doch wenn du Ver­hal­ten belohnst, die du so eigentlich nicht willst, dann gib­st du deinem Pferd eine Fehlin­for­ma­tion und machst es ihm deut­lich schw­er­er, her­auszufind­en, was du wirk­lich von ihm willst. Das ist dann gut gemeint von dir, aber keine Hil­fe für dein Pferd.

 

Angemessen belohnen

Erwarten wir von unserem Pferd anspruchsvollere oder anstren­gende Ver­hal­ten, dann soll­ten wir das auch bess­er „bezahlen“. Das kann z.B. ein­fach etwas mehr Fut­ter sein, anderes Fut­ter oder eine Pause (ger­ade bei kör­per­lich anstren­gen­den Übun­gen). Je bess­er wir wis­sen, was unser Pferd gerne mag, desto effizien­ter kön­nen wir unsere Beloh­nung einsetzen.

 

Es gilt also — egal ob wir Click­er­train­ing oder eine andere Train­ingsmeth­ode ver­wen­den: Wir bekom­men ver­lässlicheres Ver­hal­ten, wenn wir gut struk­turi­ert und für unser Pferd leicht zu lesen sind!

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